Stadtmonitoring

Foto einer jungen Frau vor einem Computer-Bildschirm

Stadtmonitoring beobachtet kontinuierlich indikatoren- und datenbasiert die räumlichen Entwicklungen einer Stadt und erstattet darüber Bericht. Stadtmonitoring kann eine ganze Reihe verschiedener Themenkomplexe in den Blick nehmen: Bevölkerungsstruktur und -entwicklung, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Gesundheit, Bildung, Wohnen, Verkehr, Umwelt, Grünflächen, Flächennutzung und vieles mehr. Indem Stadtmonitoring die relevanten Merkmale der Umweltqualität, der gesundheitlichen Lage und der Sozialstruktur kleinräumlich erfasst und kartografisch abbildet, können Gebiete identifiziert werden, in denen aufgrund von Mehrfachbelastungen besonderer Bedarf besteht, mehr Umweltgerechtigkeit zu schaffen.

Die kontinuierliche daten- und indikatorengestützte Beobachtung räumlicher Entwicklungen und eine darauf aufbauende Berichterstattung bilden in immer mehr Städten die Basis für politische Entscheidungen und administratives Handeln. Im Rahmen eines solchen Stadtmonitorings werden für die Stadtentwicklung relevante Informationen systematisch und räumlich differenziert erfasst und ausgewertet. Stadtbezogene Monitoringsysteme basieren idealer Weise auf einer einheitlichen und möglichst kleinräumigen Basis. Stadtmonitoring kann auf diese Weise dazu beitragen, mögliche Fehlentwicklungen oder planerischen Handlungsbedarf bereits im Anfangsstadium zu erkennen („Frühwarnsystem“) und steuernde Gegenmaßnahmen frühzeitig einzuleiten. Zudem stellt Stadtmonitoring im Zusammenhang mit der Evaluation kommunalen Handelns einen zentralen Baustein dar.

Stadtmonitoring kann eine ganze Reihe verschiedener Themenkomplexe umfassen: Bevölkerungsstruktur und -entwicklung, Soziales, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Gesundheit, Bildung, Wohnen, Verkehr, Umwelt, Grünflächen, Flächennutzung und vieles mehr. Überwiegend erfolgt die Beobachtung der unterschiedlichen Bereiche durch „Fachmonitore“, die von den zuständigen Verwaltungsbereichen jeweils für ihre Fachplanungen benötigt werden, z.B. in der Verkehrsplanung, in den umweltbezogenen Planungen oder in der Sozialplanung. Diese „Fachmonitore“ können die Ausgangsbasis für integrierte Monitoringsyteme sein, die sich dadurch auszeichnen, dass sie Indikatoren unterschiedlicher Themenfelder zusammenführen.

Als kleinräumige Gebietseinheiten liegen dem Stadtmonitoring in der Regel die folgenden ab 1991 auf Empfehlung des Deutschen Städtetages (DST 1991) sukzessive eingeführten vier administrativen Ebenen zugrunde:

  • Stadtbezirke: erste Ebene unterhalb der Stadtgrenze (wegen der numerischen Bezeichnung in der Städtestatistik auch „Einsteller“ genannt);
  • Ortsteile: Ebene unterhalb der Stadtbezirke (sog. „Zweisteller“);
  • statistische Bezirke: Ebene unterhalb der Ortsteile (sog. „Dreisteller“);
  • (Bau-)Blockebene: kleinste räumliche Einheit für die aus Gründen des Datenschutzes von der Kommunalstatistik keine Daten veröffentlicht werden; Daten auf dieser Ebene werden nur intern bzw. zur Aggregation größerer Teilräume verwendet.

Abweichend von diesen administrativen Raumeinheiten werden im Rahmen von Stadtmonitoring Daten der Blockebene je nach Verwendungszweck häufig aber auch für andere Gebietseinteilungen (z.B. Sozialräume, Planungsräume, Verkehrszellen, Schulsprengel, Wahlbezirke) durch Aggregation aufbereitet.

Potenziale für Umweltgerechtigkeit

Stadtmonitoring kann eine zentrale Basis für Vermeidung und Abbau der stadträumlichen Konzentration gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen darstellen, indem es die relevanten Merkmale der Umweltqualität, der gesundheitlichen Lage und der Sozialstruktur integriert und kleinräumlich abbildet. Die Verwaltungen können so mit Hilfe des Stadtmonitorings in die Lage versetzt werden, Gebiete mit Mehrfachbelastungen und mit Handlungsbedarf zur Vermeidung und Verminderung dieser Belastungen zu identifizieren.

Ergänzende Instrumente und Synergien mit anderen Instrumenten

Die systematische und räumlich differenzierte Erfassung und Auswertung von Daten und Indikatoren durch das Stadtmonitoring kann in den als mehrfach belastet identifizierten Gebieten durch qualitative Datenerhebungen und Untersuchungen ergänzt werden. Dabei kann es sich beispielsweise um Experteninterviews mit Vor-Ort-Akteuren oder Bewohnerbefragungen handeln, die wichtige gebietsspezifische Informationen liefern können.

Synergien sind insbesondere mit Blick auf gebietsbezogene Förderprogramme wie die Städtebauförderung möglich. Das Stadtmonitoring kann die Basis dafür bilden, den Fördermitteleinsatz zu rechtfertigen und ggf. zu evaluieren. Zudem ist Stadtmonitoring unverzichtbare Grundlage für alle Gesamt- und Fachplanungen in der Kommune.

Literatur

Kommunale Gebietsgliederung – Empfehlungen zur Ordnung des Straßen-/ Haus-nummernsystems und Gliederung des Gemeindegebiets nach Gemeindeteilen, Blöcken und Blockseiten sowie DV-Organisation

DST – Deutscher Städtetag (1991): Kommunale Gebietsgliederung – Empfehlungen zur Ordnung des Straßen-/ Haus-nummernsystems und Gliederung des Gemeindegebiets nach Gemeindeteilen, Blöcken und Blockseiten sowie DV-Organisation. In: DST-Beiträge zur Statistik und Stadtforschung. Reihe H, H. 39, Köln.

Fussnote

Quelle: Redaktionell überarbeiteter Auszug aus: Christa Böhme und Arno Bunzel: Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum. Expertise „Instrumente zur Erhaltung und Schaffung von Umweltgerechtigkeit“. Difu-Sonderveröffentlichung. Berlin 2014 (S. 73-74)
https://difu.de/publikationen/2014/umweltgerechtigkeit-im-staedtischen-raum-expertise.html.