Fachplan Gesundheit

Foto von Äpfel und Baumrinde

Ein Fachplan Gesundheit zeigt mit räumlichem Bezug - also auch kartenbasiert - die gesundheitsbezogenen Ziele, Strategien und Maßnahmen einer Kommune auf. In einem solchen Plan können teilräumliche Schwerpunkte gesetzt und quartiersbezogene Aktivitäten der Gesundheitsförderung - u.a. mit Bezug zu Umweltgerechtigkeit - festgelegt werden. Gleichzeitig ermöglicht ein kommunaler Gesundheitsplan dem Gesundheitsamt, Gesundheitsbelange nicht nur reaktiv - beispielsweise im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen/strategischen Umweltprüfungen - in andere Planungsverfahren einzubringen, sondern auch proaktiv Inhalte räumlicher Planung mitzugestalten.

Ein lokaler Fachplan Gesundheit wird derzeit vor allem in Nordrhein-Westfalen als ein neues Instrument zur Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Maßnahmen kommunaler Gesundheitsförderung diskutiert. Auf Basis der Erfahrungen einer ersten Pilotphase im Jahr 2010, an der drei nordrhein-westfälische Kommunen (Kreis Unna, Stadt Solingen, Stadt Bielefeld) mitgewirkt haben, wurden vom Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit dem Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Dortmund zwei Musterfachpläne für einen solchen Fachplan entwickelt – zum einen für den fiktiven Landkreis Gesundbrunnen (LZG.NRW 2012a) und zum anderen für die fiktive kreisfreie Stadt Healthhausen (LZG.NRW 2012b).

Beim Fachplan Gesundheit (vgl. im Folgenden LZG.NRW 2012b: 13ff.) handelt es sich um eine gesamtstädtisch ausgerichtete, informelle Planung, die mehrere Ziele verfolgt:

  • Förderung der Gesundheit der Stadtbewohnerschaft,
  • wirkungsvollere Strukturierung und Darstellung des Leistungsspektrums des Gesundheitsamtes,
  • bessere Integration von Gesundheitsbelangen im öffentlichen Handeln (insbesondere in der räumlichen Planung und Stadtentwicklung),
  • Bündelung der Möglichkeiten verschiedener Akteure für eine kommunale Gesundheitsförderung.

Vor diesem Hintergrund werden im Fachplan Gesundheit abgeleitet aus der kommunalen Gesundheits- und Umweltberichterstattung (z.B. Daten zu Lärm- und Luftbelastungen, zur Versorgung mit öffentlichen Grünflächen,) Probleme und Potenziale (einschließlich vorhandener Versorgungsstrukturen im Gesundheitsbereich) aufgezeigt und auf dieser Basis Relevanz und Dringlichkeit des Handlungsbedarfs aufgezeigt sowie gesundheitsfördernde Ziele, Strategien und Maßnahmen entwickelt. Dabei hat der Fachplan eine räumliche Dimension und ist entsprechend mit Karten unterlegt. Im Rahmen des Fachplans Gesundheit können mit Blick auf die Maßnahmenentwicklung auch teilräumliche Schwerpunkte gesetzt und quartiersbezogene Aktivitäten der Gesundheitsförderung festgelegt werden.

Potenziale für Umweltgerechtigkeit

Aufgrund der räumlichen Dimension der Gesundheitsplanung können auf Basis der Problemanalyse Stadtteile und Quartiere mit einer Konzentration gesundheitlicher Defizite in einer Karte dargestellt werden. Durch eine Überlagerung dieser Datengrundlage mit Bestandskarten von Umweltfachplanungen und Sozialstrukturkarten besteht die Möglichkeit, solche Gebiete zu identifizieren, die sowohl durch gesundheitliche Defizite als auch durch gesundheitsbelastende Umweltbedingungen und schwierige soziale Lagen gekennzeichnet sind und daher einen besonders hohen Bedarf an Maßnahmen zur Verbesserung von Umweltgerechtigkeit aufweisen. In solchen Teilräumen kann der Fachplan Gesundheit Handlungsschwerpunkte für eine auf Umweltgerechtigkeit ausgerichtete quartiersbezogene Gesundheitsförderung setzen.

Ein Fachplan Gesundheit kann zudem eine systematische Wahrung von Gesundheitsbelangen – auch unter dem Aspekt von Umweltgerechtigkeit – in der gesamträumlichen Planung (Bauleitplanung, Stadtentwicklungsplanung) und in den räumlichen Fachplanungen (Luftreinhalteplanung, Lärmminderungs-/Lärmaktionsplanung, Verkehrsentwicklungsplanung, Landschaftsplanung, , Freiraumentwicklungsplanung) unterstützen (Liga.NRW 2011: 9). Dabei bietet ein kommunaler Gesundheitsplan den zuständigen Gesundheitsbehörden die Grundlage, nicht nur reaktiv im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen/strategischen Umweltprüfungen und der Trägerbeteiligung Gesundheitsbelange in andere Planungsverfahren einzubringen, sondern auch stärker proaktiv Inhalte räumlicher Planung mitzugestalten und dabei auch auf die Berücksichtigung von Umweltgerechtigkeit hinzuwirken (ebenda).

Darüber hinaus kann ein Fachplan Gesundheit den Rahmen liefern, um das Thema Mehrfachbelastungen von besonders vulnerablen bzw. verletzlichen Gruppen durch verschiedenartige Umwelteinwirkungen zu betrachten (Köckler 2012) und in anderen Planungsprozessen auf die Berücksichtigung dieser Mehrfachbelastungen in der Abwägung hinzuwirken.

Ergänzende Instrumente und Synergien mit anderen Instrumenten

Mögliche Synergien wurden bereits bei den Potenzialen angesprochen. Sie bestehen zu den meisten Planungsinstrumenten, die für gesundheitsrelevante Umweltbedingungen von Bedeutung sind (insbesondere Stadtentwicklungsplanung, Bauleitplanung, Verkehrsentwicklungsplanung, Lärmminderungsplanung, Luftreinhalteplanung, Landschaftsplanung), sowie zu Umweltverträglichkeitsprüfungen/Strategischen Umweltprüfungen und zur Gesundheitsfolgenabschätzung.

Literatur

Der lokale Fachplan Gesundheit

Köckler, Heike (2012): Der lokale Fachplan Gesundheit. In: Gabriele Bolte, Christiane Bunge, Claudia Hornberg, Heike Köckler und Andreas Mielck (Hrsg.): Umweltgerechtigkeit durch Chancengleichheit bei Umwelt und Gesundheit – Konzepte, Datenlage und Handlungsperspektive, Bern. S. 244.

Fachplan Gesundheit des Kreises Gesundbrunnen. Fiktionaler Bericht

LZG.NRW – Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2012a): Fachplan Gesundheit des Kreises Gesundbrunnen. Fiktionaler Bericht, Bielefeld (http://www.lzg.gc.nrw.de/_media/pdf/service/Publikationen/2012_druckfrisch/fachplan_gesund
heitgesundbrunnen_lzg-nrw_2012.pdf).

Fachplan Gesundheit der Stadt Healthhausen. Fiktionaler Bericht

LZG.NRW – Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2012b): Fachplan Gesundheit der Stadt Healthhausen. Fiktionaler Bericht, Bielefeld (http://www.lzg.gc.nrw.de/_media/pdf/service/Publikationen/2012_druckfrisch/fachplan_gesundheit_
healthhausen_lzg-nrw_2012.pdf).

Fussnote

Quelle: Redaktionell überarbeiteter Auszug aus: Christa Böhme und Arno Bunzel: Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum. Expertise „Instrumente zur Erhaltung und Schaffung von Umweltgerechtigkeit“. Difu-Sonderveröffentlichung. Berlin 2014 (S. 59-60)
https://difu.de/publikationen/2014/umweltgerechtigkeit-im-staedtischen-raum-expertise.html.